Quarantäne-ABC

Wir haben unsere Eindrücke aus der Quarantäne in Stichworten gesammelt, geschrieben von Simone mit Unterstützung aller am 27. Juli 2020. Viel Spaß damit!

A – wie Abfall: Davon produzieren wir hier eine Menge, denn jede Mahlzeit ist in 9 Schachteln plus Karton oder Tüte verpackt, und das pro Person.

2 Portionen

B – wie Beijing: Da wollen wir hin. Am 6. August dürfen wir, wenn wir symptomfrei bleiben und alle Coronatests negativ ausfallen, dorthin weiterreisen. Wir haben eine vorläufige Unterkunft im 26. Stock eines recht zentral gelegenen Wolkenkratzers. Von dort aus werden wir uns auf die Suche nach unserem Zuhause für die nächsten drei Jahre machen.

C – wie Corona: Alles wird bestimmt von der Sorge der Chinesen, dass sich Corona erneut ausbreitet. Daher auch die strikte Quarantäne: Covid 19 soll nicht von außen wieder nach China eingeschleppt werden.

D – wie Desinfektion: Zweimal täglich werden die Gänge desinfiziert, um sicherzustellen, dass sich das Servicepersonal nicht mit Corona infiziert, wenn es Essen etc. verteilt.

E – wie Essen: lecker, vielfältig, abwechslungsreich und immer zu viel. Dreimal täglich steht es auf einem kleinen Tischchen vor unserer Zimmertür und wir öffnen erst (mit Schutzmaske natürlich), wenn wir durch den Spion sehen können, dass niemand mehr im Flur ist, den wir anstecken oder erschrecken könnten.

Dies ist eine Portion.

F – wie Frühstück, siehe oben:

Auch dies ist das Frühstück pro Person.

G – wie Gesundheitscheck: Täglich zweimal müssen wir Fieber messen und bestätigen, dass wir nicht Halsschmerzen, Husten, Kurzatmigkeit oder Durchfall haben.

H – wie unser Hotel während der Quarantäne: Es sieht aus wie eine große Tempelanlage und die Zimmer sind hell, groß und modern. Unsere Familie wurde auf zwei Zimmer verteilt, die je eine Infektionsgruppe bilden. Was heißt: Wir dürfen uns 14 Tage lang nicht sehen. Wir telefonieren über das Haustelefon und sehen uns über WhatsApp Videoanruf.
Die Quarantäne wird unser Sommerurlaub sein, denn am 14.8. beginnt für Michael die Arbeit, am 17.8. auch für mich und am 24.8. die Schule für die Kinder.

I – wie Infektionsrisiko. Wir halten das Risiko, das von uns ausgeht, nach drei negativen Coronatests für sehr gering. Die chinesischen Behörden China jedoch sehen dies offensichtlich anders – weil sie den Virus besser kennen als wir? Oder weil temporäre Freiheitsaufgabe für sie nicht so schwer wiegt wie für uns?

J – wie Julias Privatzimmer: Julia hat sich im Kleiderschrank einen Platz auf der großzügigen Kofferablage gestaltet, an dem sie spielen, lesen, Filme schauen kann. Da ist es warm, weich, gemütlich und sie ist für sich. Ob sie wohl in 15 Jahren erzählt, sie musste tagelang im Schrank bleiben?

K – wie Ketchup. Es ist bei jedem Frühstück dabei, ebenso wie Würstchen, Kartoffelplätzchen, gekochtes Gemüse und Ei. Manchmal auch grüner Salat. Dazu natürlich Cornflakes, Joghurt, Brötchen, Butter, Honig, Marmelade, Toast und frisches Obst.

L – wie Lego, chinesisches, das hier Sembo-Block heißt. Das haben die Kinder vom Hotel-Personal geschenkt bekommen.

M – wie Mülltrennung, nach der Mitreisende am ersten Tag gefragt haben. Soviel zum Thema „typisch Deutsch“.

N – wie noch neun Tage, ab jetzt.

O – wie Omo. So heißt das Spülmittel. Wir wurden mit Spüllappen, Waschschüssel, Waschmittel, Putzhandschuhen, Fusselrolle etc. ausgestattet, denn in unser Zimmer darf niemand hinein, auch keine Servicekraft zum Putzen. Handtücher bekommen wir regelmäßig frisch, behalten die benutzten jedoch bis zum Ende im Zimmer. Erst dann werden sie geholt.

P – wie Peking: Die Hauptstadt und ihre 22 Millionen Einwohner werden besonders geschützt, daher dürfen wir Peking erst nach der Quarantäne betreten.

Q – wie Quarantäne. 14 Tage ohne Kontakt zu anderen. Wir sehen es als Herausforderung, einmaliges Erlebnis und Abenteuer. Spiele, Bücher, Handys, Computer, Puzzles und Kaffee haben wir vorsorglich in größeren Mengen mitgenommen.

R – wie Runterschalten: Nach den vergangenen Wochen tut es uns gut, ein paar Gänge runterzuschalten. Michael hat sich allerdings so viel vorgenommen, dass die zwei Wochen schon wieder knapp werden. Er und David schreiben sich täglich einen Plan, was sie schaffen wollen.

S – wie Schutzanzug. Alle Menschen, denen wir am Flughafen und im Hotel bisher begegnet sind, trugen Vollschutz, und das bei 30 Grad und stechender Sonne. Wir hingegen, die potentiell infiziert sind, tragen bestenfalls FFP2-Masken. Das freundliche Lächeln der Chinesen können die Schutzmaßnahmen nicht verhindern.

T – wie Test: Eine Woche vor dem Abflug (Nasenabstrich), 24 Stunden vor dem Abflug (zweimal Rachenabstrich) und direkt nach Ankunft in China (Rachen- und Nasenabstrich) muss jeder einen Coronatest machen. Bisher waren alle Tests bei allen Reisenden unseres Flugs negativ. Mindestens ein Test steht noch an, bevor wir die Quarantäne verlassen dürfen. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich unangenehm derselbe Test sein kann.

U – wie unbekannte Großstadt: Unsere Quarantänestadt Tianjin hat 14 Millionen Einwohner – das sind doppelt so viele wie die drei größten deutschen Städten Berlin, Hamburg und München zusammen. Und wir hatten bisher noch nie von ihr gehört. Den Fotos im Touristen-Handbuch auf unseren Zimmern nach ist es eine sehr moderne, schöne und grüne Stadt.

Die 14-Millionen-Hafenstadt Tianjin

V – wie Volkswagen: Unser Flug war gemeinsam organisiert von der Deutschen Außenhandelskammer, Daimler und Volkswagen. An Bord waren ausschließlich Mitarbeiter der beiden Automobilfirmen und ihre Angehörigen.

W – wie Wäsche waschen: geht in Quarantäne von Hand.

X – wie xtreme-chillen. Das tun die Kinder.

Y – wie Yoga, das ebenso wie Vorträge zur traditionellen chinesischen Medizin, Zumba und Stretching als Quarantäne-Programm über Zoom angeboten wird.

Z – wie die Zeit, die hier erstaunlich schnell vergeht und Zimmer, getrennte, die uns zugeteilt wurden: Erwachsene verbringen die Quarantäne getrennt, Kinder bis 15 Jahren bleiben bei einem Elternteil. Wir sind sehr glücklich, dass Paul noch 14 ist!

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