Highlights der Woche aus dem Dreier-Zimmer

Geschrieben von Simone am 3.8.2020.

Es gibt ja Menschen, die sich auf die schönen Seiten einer Situation konzentrieren.
Von Pauls Logopädin habe ich übrigens gelernt, dass alle Dinge drei Seiten haben:
eine positive, eine negative und eine komische.
Ich bevorzuge klar den Blick auf die positiven (und die komischen) Seiten des Lebens.
Der Vollständigkeit halber nenne ich hier auch die negativen Aspekte der Quarantäne:
Bei unserer Gruppe wurden tatsächlich wie angekündigt die Teenager bereits ab 15 Jahren alleine in Isolierung geschickt. Ehrlich gesagt hatte ich das nicht wirklich für möglich gehalten und war davon ausgegangen, dass sich dann schon „medizinische Gründe“ o.ä. für Ausnahmen finden lassen. Fakt ist: In unserem Hotel sind 15-Jährige alleine, obwohl sich garantiert alle (Eltern, Daimler, Außenhandelskammer) dafür eingesetzt haben, dies zu verhindern. Entscheidend sind die Behörden vor Ort, und die sind hier offensichtlich streng.

!! Nachtrag am 4.8.2020: Die Sache hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe mit der Mutter des 15-Jährigen telefoniert. Sie sagte, sie hatten die Wahl, der Sohn hätte also bei ihnen im Zimmer bleiben können. Er wird bald 16 und hat die Ruhe, mehr Platz und das eigene Bad vorgezogen. Eine andere Familie hat die 15-jährige Tochter bei sich behalten und diese sagt nun, sie hätte besser auch alleine ins Zimmer gehen sollen. Wie so oft im Leben ist die Entscheidungsfreiheit der Schlüssel – wenn das Einzelzimmer frei gewählt ist, kann man damit ganz anders umgehen, als wenn es Pflicht wäre. Genauso ist mit unserer Zimmertür: Wir könnten jederzeit das Zimmer verlassen, die Tür ist offen. Wäre sie dies nicht, würden wir sicherlich deutlich mehr unter der Quarantäne leiden.
Ende des Nachtrags

Auch gab es anfangs größeren Unmut in der Gruppe unseres Flugs, weil in den Zimmern, die Balkon haben, die Balkontüren verrammelt waren (und blieben). Nun ist die Luft draußen sehr stickig und heiß und die App zeigt meist schlechte Luftwerte an – aber der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich dennoch nicht sofort. Was vielleicht der Grund dafür sein könnte: Von den Fotos des Hotels (wir haben keinen Balkon und schauen auf eine Straße, kennen also diese Zimmer nicht) schließe ich, dass die Balkone aneinander grenzen und so ein Austausch des Virus von Balkon zu Balkon möglich wäre. Insofern ist es folgerichtig, dem Virus auch diesen Weg abzusperren; sonst wären alle anderen Maßnahmen sinnlos. Dennoch – diese Instrumente sehen für meine Augen übertrieben streng aus.

Die Balkone unseres Hotels. © Hilton Hotel Tianjin Eco-City
So sieht unser Hotel übrigens von oben aus. © Hilton Hotel Tianjin Eco-City

Aus dieser Situation die Corona-Demonstration in Berlin und die deutsche Diskussion über Coronatests für Urlaub-Rückkehrer zu verfolgen ist ziemlich – nun, wie soll ich sagen, interessant. So unterschiedlich kann der Umgang mit Corona sein.

Ausgangspunkt dieses Beitrags waren jedoch die positiven Seiten der Quarantäne! Und die hängen damit zusammen, dass wir gemäß staatlicher Anordnung zwar als potentielle Virenträger angesehen werden, von den Menschen aber wie Freunde behandelt werden.

Die Highlights für uns waren:

  • die Warmherzigkeit des Hotelpersonals von Anfang an, die in einem besonderen Geschenk gipfelte. Wir hatten in unserem Zimmer folgende Begrüßung gefunden:

Dafür haben wir uns so bedankt:

Und dies fanden wir zwei Tage später vor unserer Tür: einen Schutzanzug mit deutscher und chinesischer Flagge und zwei Händen, die sich begrüßen, und das Servicepersonal hatte auf dem Stoff unterschrieben, sowie drei Boxen mit Sembo, dem chinesischen Lego.

Inzwischen haben wir von der Koordinatorin unserer Gruppe gehört, dass das Personal eine kleine Ausstellung aller Bilder plant, die sie inzwischen von den Familien im Hotel bekommen haben; sie sind sehr gerührt über jedes Gemälde.

  • Einige Kinder unserer Gruppe hatten hier in Quarantäne Geburtstag. Vor dem Fenster gab es einen Luftballon-Gruß des Personals, auf dem Flur versammelte sich das Team und sang „Happy birthday“ und die Geburtstagstorten werden von Mal zu Mal üppiger:

Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln, heißt es.

Das ist übrigens ein chinesisches Sprichwort.

In diesem Sinne: Bleibt alle gesund und bis bald!

Simone

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