Von Häusern und Palästen

Bericht fünf aus China vom 16. August 2020. Geschrieben von Michael.

Beijing, zu verschiedenen Zeiten, Ascott Raffles an der Second Ring Road.

Die ersten drei Tage der zurückliegenden Woche haben wir mit Jackie, der Agentin der Relocation-Agentur verbracht, die ich im letzten Bericht schon vorgestellt habe. Wir haben eine Bleibe für uns gesucht. Ein schwieriges Unterfangen – besonders, da wir noch gar nicht festgelegt hatten, ob wir lieber stadtnah in einem der Hochhäuser wohnen wollen oder weiter draußen im sogenannten Villengebiet (Villa Area). Wir haben uns also beides angeschaut.

In der Villa-Area gibt es zahlreiche sogenannte Compounds. Das sind abgeschlossene Wohndörfer, in denen bis zu 600 Häuser, umgeben von einem Zaun mit Stacheldraht, stehen. Ein Compound hat in der Regel ein Clubhaus mit der Verwaltung und einigen Einrichtungen, die das Leben erleichtern oder verschönern. Was genau dort Clubhaus angeboten wird, ist von Compound zu Compound verschieden. Meistens gibt es ein Fitnessstudio, ein Café und/oder ein Restaurant, Tennisplätze und einen mehr oder weniger großen Swimmingpool, manchmal indoor, manchmal outdoor, manchmal beides. Dazu kommt gerne noch ein kleiner Laden, in dem man Dinge des täglichen Bedarfs kaufen kann, vielleicht noch ein Frisör oder ein Blumenladen.

Man muss aber im Villengebiet nicht weit fahren, um Geschäfte und Restaurants zu finden, die den Bedarf der (eher wohlhabenden) Compound-Bewohner decken.  

Die verschiedenen Compounds haben verschiedene Charakter. Einige sind eher im amerikanischen Stil gebaut, andere eher etwas nüchterneren, was ich als europäisch bezeichnen würde, wieder andere sind im chinesischen Stil gebaut, mit zweiflügeligem Eingangstor (Foto), das in einen Innenhof führt sowie einem Baustil, der sich eher nach Innen zum Hof hin orientiert und der Straße die kalte Schulter oder vielmehr die hohe Mauer zeigt. Einer dieser Compounds im chinesischen Stil war aus unserer Sicht besonders schön angelegt. Ein echtes Highlight war, dass wir dort ein Haus besichtigen durften, das noch das komplette Mobiliar einer wohlhabenden chinesischen Familie gezeigt hat (Foto).

In den Compounds leben sowohl Chinesen als auch gutversorgte Ausländer (Expats). Die Mischung variiert je nach Stil des Compounds. Die Chinesen, die in diesen Compounds Häuser haben, sind, so würde ich das einschätzen, wirklich wohlhabend, die Ausländer nicht unbedingt. Sie haben eher das Glück, dass die internationalen Konzerne ihre Expats in der Regel sehr gut unterbringen wollen. Wir haben in den ersten zwei Tagen 31 Häuser und Wohnungen (in Worten: einunddreißig) angeschaut. Restlos überzeugt waren wir nur von einem einzigen Haus.

Was sind die Probleme:

a) Die Häuser sind in der Regel sehr großzügig geschnitten und bieten viel Platz. Meist mit sehr repräsentativen Wohnzimmern und einer sehr, sehr großen „Master-Area“. Die „Master-Area“ ist das private Schlafzimmer samt Badezimmer und begehbarem Kleiderschrank für den Hausherren, den „Master“, und seine Frau. Wir haben Master-Areas gesehen, die so groß waren wie eine deutsche Drei-Zimmerwohnung. Aber der Hauszuschnitt sieht in der Regel nicht drei halbwegs gleichwertige, nutzbare Kinderzimmer vor. Drei Kinder sind nicht eingeplant.

b) Der Erhaltungszustand vieler Häuser ist nach europäischen Kriterien schlecht.    

Ein Haus hat uns allerdings vom Zustand und von der Bauqualität überzeugt. Nur: Es liegt in einem Compound namens Yosemite B, den die Schulbusse zur deutschen Schule in Beijing derzeit nicht ansteuern. Die Schule wäre gerne bereit, dort für uns (immerhin 3 Schüler und eine Lehrerin) eine Bushaltestelle einzurichten. Allerdings würde der Schulbus diese neue Haltestelle morgens als allererstes und nachmittags als letztes anfahren, weil der Compound so weit draußen liegt. Das hätte bedeutet, dass der Schulbus für unsere vier um 6:35 Uhr losgefahren wäre. Damit war dieses Haus leider raus aus der Auswahl.

Nach drei Tagen Häuser-Anschauen hat Jackie uns empfohlen, eine Shortlist der besten Häuser und Compounds aufzustellen und aufzulisten, was wir uns an Renovierung / Veränderung an dem betreffenden Haus wünschen. Man kann offenbar vieles „reinverhandeln“. Freunde von uns haben (neben vielem anderen) sogar ausgehandelt, dass das Haus mit Fußbodenheizung nachgerüstet wird! Die Bereitschaft der Hausbesitzer Renovierungen und Veränderungen durchzuführen ist allerdings sehr unterschiedlich. Jackie ist derzeit damit beschäftigt, bei unseren Favoritenhäusern herauszufinden, zu welchen Zugeständnissen der Vermieter bereit ist.

Soweit zu den Häusern … nun kommen die Paläste!

Samstag waren wir zu einem Ausflug eingeladen. Unsere ortskundigen Gastgeber hatten uns vorher per Mail ein paar Vorschläge gemacht, was man besichtigen könnte. Wir haben uns für den Sommerpalast entschieden.

Das ist ein wunderschöner und riesiger Park mit künstlich angelegtem See und beeindruckenden Gebäuden. Der Sommerpalast diente als Sommerresidenz für den Kaiser. Daher gibt es zwei Theatergebäude, Tempel, Wohngebäude und eine Einkaufsstraße, die dazu diente, dass Kaiser und Hofstaat „Shopping“ spielen konnten. Ein ca. 750 m langer, komplett bemalter Wandelgang führt am See entlang. Fotos sagen mehr als Worte und ich bin mir sicher, dass wir wiederkehren werden.

Beste Grüße

Michael  

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