Alltag und Ausflüge

Bericht neun aus China, verschiedene Tage im Oktober 2020. Geschrieben von Michael.
(Sorry, dieser Bericht geht mit etwas Verspätung online. Er beschreibt unser Leben vor unserem Umzug. Inzwischen sind wir an den 5. Ring gezogen, wohnen also etwas weiter weg vom Stadtkern.)

Diesen Bericht möchte ich mit einigen Worten zu unserem Alltag beginnen: Auch im Alltag geht es uns hier sehr gut. Die Kinder und Simone sind gut an der deutschen Schule angekommen. Die drei Kinder gehen morgens um 7:10 Uhr aus dem Haus und fahren mit dem Schulbus zur Deutschen Botschaftsschule. Der Bus holt sie direkt vor dem Haus ab. Zurück geht es auch mit dem Schulbus. Schulschluss ist mittags um 13:10 Uhr, nachmittags um 15:35 Uhr. Häufig kommen sie dann erst zwischen 16:05 und 16:15 Uhr nach Hause – je nachdem, wie gut sich das Schulbüschen durch den Verkehr gewühlt hat. Ich versuche die Kinder zu motivieren auch einen Beitrag in den Blog zu stellen. Also (vielleicht) demnächst mehr zur Schule!

Ich selber gehe in der Regel um 6:45 Uhr aus dem Haus und bin häufig erst um 19:30 Uhr zu Hause. Das liegt natürlich auch an meinem langen Arbeitsweg – der wird etwas kürzer, wenn wir am 18.10 nach Shunyi umziehen. Die ersten Wochen waren voll neuer Eindrücke: Ich habe auf der Arbeit jede Stunde Neues erfahren und neue Eindrücke gesammelt. Die Kommunikation erfolgt auf Englisch, die englischen Sprachkenntnisse sind bei den chinesischen Kollegen sehr unterschiedlich und die Kommunikationshürden zum Teil hoch. Das macht es oft umständlich und gleichzeitig interessant.

Ich habe zwei große Whiteboards in meinem Buero, um mittels Zeichnungen, Tabellen oder Graphen sicherzustellen, dass wir uns verstanden haben: „Die Sprache des Ingenieurs ist die Zeichnung“. Absolut positiv stelle ich fest, dass alle Kollegen sich sehr viel Mühe geben, Kommunikation gelingen zu lassen. Natürlich gibt es trotzdem Missverständnisse. Die Gespräche und Diskussionen sind bereichernd, immer mal wieder treffe ich auf Gedankengänge oder Wendungen in der Argumentation, die ich als Europäer eher nicht erwartet habe. Ich habe festgestellt, dass es nicht schaden kann zweimal nachzufragen. Sehr wichtig ist es sich zu versichern, ob eine Handlung in der Vergangenheit stattgefunden hat, ob sie noch andauert oder ob sie erst noch in der Zukunft stattfinden soll. Ich habe den Eindruck, dass ich meinen chinesischen Kollegen weiterhelfen kann, mit meiner Art die Dinge anzuschauen und zu Entscheidungen zu kommen.

Summarisch kann ich sagen, dass ich auf der Arbeit nette Kollegen angetroffen habe, ein sehr interessantes und sehr weites Feld vorfinde und viele interessante Erfahrungen machen kann. Und diese gehören naturgemäß nicht in einen öffentlichen Blog. So kommt es, dass der Blog viel von Freizeit erzählt. Ich darf Euch aber versichern, dass in China viel gearbeitet wird. Rein vom zeitlichen Einsatz sicher mehr als in Deutschland.

Nach dieser Vorrede kann ich Euch jetzt wieder ganz ungezwungen von drei absoluten kulturellen, touristischen, chinesischen Highlights berichten, die wir in den letzten Wochen gesehen haben: Wir waren

·         an der chinesischen Mauer,

·         in der verbotenen Stadt – das ist der zentrale Kaiserpalast in Peking und

·         in Chengde, einer Stadt 200 km nordwestlich von Peking, die zahlreiche
Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

Nun ja, eigentlich will ich von den Sehenswürdigkeiten selber gar nicht so viel berichten, ich würde sagen: „Das muss man gesehen haben“ und lade Euch ein, die drei Bildergalerien anzuschauen, die wir zu den drei Ausflügen im Blog abgelegt haben. Ich erzähle lieber, wie wir dahin gekommen sind.

Chinesische Mauer – Great Wall

Am SONNTAG (!), den 27. September war ein offizieller Arbeitstag bei meiner Firma BFDA (Foton-Daimler). Um trotzdem ein schönes Wochenende zu haben und weil ich noch nicht an der chinesischen Mauer war, wurde beim Firmen-Mittagessen die Idee geschmiedet, Freitagabend und Samstag einen Ausflug zur chinesischen Mauer zu machen. 6 Foton-Daimler-Expat-Familien und zwei chinesische Kollegen waren mit von der Partie. Freitagabend nach der Arbeit sind wir Männer von unseren Familien auf der Arbeit abgeholt worden und in die Hügel nördlich von Huairou (unserem Arbeitsort im Norden Pekings) gefahren, dorthin, wo die chinesische Mauer verläuft. Wir haben uns in einer Pension eingemietet. „Wir“ ist nicht ganz richtig: die Organisation hat unser Kollege Wan Chenfeng übernommen.

Als wir in der Pension ankamen, drehte sich das saftige Lamm schon auf dem Grill (Foto).

Von der Pension aus konnten wir die Mauer schon sehen. Wan Chenfeng, der Initiator der (hervorragenden) Idee und auch der Planer und Koordinator dieses wirklich coolen Ausflugs, ist der Assistent meines Chefs. Er spricht fließend Deutsch, fließend Englisch und natürlich auch Chinesisch – mit dem Akzent des Yangtse-Deltas. Bisher haben wir uns in diesem Blog sowohl was Namen, als auch was Personen-Fotos anbetrifft, immer eher bedeckt gehalten. Aber mit Wan Chenfengs Genehmigung möchte ich ihn mal ganz prominent in den Blog nehmen:

Er ist auf der Arbeit sehr hilfreich und hat uns auch privat viel geholfen, zum Beispiel auf chinesischen Online-Plattformen Handys zu kaufen. Und er organisiert auch noch einmalige Ausflüge. Wan Chenfeng, ich weiß, dass Du das liest: Danke!!!

Außerdem ist er auch noch sehr witzig: Dieses Foto von ihm auf der chinesischen Mauer hat er so kommentiert: „Du hast mich größer als die Große Mauer fotografiert. Super!“

Die verbotene Stadt, der Kaiserpalast

Am ersten Oktober war hier in China Nationalfeiertag und direkt anschließend Mid Autumn Festival. Dadurch gab es ein paar freie Tage und ganz China war unterwegs. Die Schulfeien der deutschen Schule waren ein bisschen asynchron, so dass Simone und die Kinder schon vorher frei hatten. Ich habe mir daher auch einen Tag VOR den chinesischen Ferien frei genommen und wir sind in den Kaiserpalast gegangen, die verbotene Stadt. Glück mit dem Wetter hatten wir auch. Blauer Himmel. Wir waren früh dort und weil die Ferien noch nicht begonnen hatten, war es die ersten zwei Stunden richtig leer. Ein perfekter Ausflugstag, um den Kaiserpalast zu genießen. Ein Foto hier im Text und viele Fotos mehr in der Bildergalerie in unserem Blog: 

Im Kaiserpalast, der früher für Normalsterbliche verboten daher – daher der Name „Verbotene Stadt“.

Chengde

Mitten in den chinesischen Ferien sind wir nach Chengde gefahren. Chengde ist etwa 200 km nordöstlich von Peking und hat auch einen Kaiserpalast. Einer der chinesischen Kaiser wollte den Sommer naturnaher verbringen und hat daher einen Kaiserpalast in Chengde errichten lassen, mit See, Steppenlandschaft und Gebäuden, die sich in die Landschaft integrieren. Verglichen mit Peking ist der Baustil etwas bescheidener und der Palast harmoniert in seinen zurückhaltenden Farben mit der Landschaft. An dem Tag, an dem wir uns nach Chengde aufgemacht haben, war ganz China unterwegs. Wir haben mehr als zwei Stunden gebraucht, um aus Peking rauszukommen und saßen in Summe fünfeinhalb Stunden im Auto bis zum Hotel in Chengde. Aber es war die Reise wert. In Chengde haben wir am ersten Tag besagten Kaiserpalast angeschaut (weitere Fotos in der Bildergalerie):

Der Sommerpalast in Chengde.

Am zweiten Tag haben wir einen Tempel besucht, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Kaiserpalastes einen Nachbau der Potala darstellt. Die Potala ist das wichtigste Bauwerk in Lhasa, der Hauptstadt von Tibet. Dort hat einst der Dalai-Lama residiert. Einer der chinesischen Kaiser, der seine Freundschaft mit Tibet unterstreichen wollte, hat in Chengde diese verkleinerte Kopie bauen lassen (weitere Fotos in der Bildergalerie):

Die Potala in Chengde.

Nach so viel Kultur haben wir noch ein bisschen Natur besucht. Wenn wir in Chengde unsere Blicke haben schweifen lassen, ist uns immer wieder der sogenannte Knüppelberg ins Auge gefallen. Warum der so heißt? Siehe Bildergalerie. Dort führt eine Seilbahn hin, die wir gerne genommen haben, um unseren Füßen eine Pause zu gönnen. Die Seilbahn führt in niedriger Höhe über Felder und Strauchwald hinweg. In diesem Strauchland sieht man immer wieder geschmückte Erdhügel. Dies sind Gräber von Menschen (Foto).     

Nach so vielen Eindrücken, Schluss für heute.

Es schwärmt immer noch von all den Sehenswürdigkeiten

Euer Michael   

Ein Kommentar zu “Alltag und Ausflüge

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