Fake new shoes

Bericht dreizehn aus China vom 13. Dezember 2020. Geschrieben von Michael.

Heute, passend zur Weihnachtszeit und den vielen Dingen, die wir so kaufen, möchte ich ein bisschen über kopierte und gefälschte Waren reden. In vielen Bereichen hat die chinesische Industrie ihre Position als Hersteller von Kopien schon lange verlassen; zum Beispiel bei mobilen Kommunikations- und Einkaufs-Plattformen (WeChat), Elektronik (Huawei) und Elektrofahrzeugen agieren chinesische Unternehmen als Innovator und Taktgeber für die ganze Industrie. Es gibt auch etliche genuin chinesische Produkte, die von Hause aus eigenständiges Design oder typisch chinesische Funktionen aufweisen und sich daher gar nicht an ausländischen Vorbildern orientieren können. Dazu gehören zum Beispiel traditionelle chinesische Möbel, Einrichtungsgegenstände oder auch traditionelle Kleidung (besonders Frauenkleider). Aber es gibt auch unzählige Geschäfte, die kopierte Produkte oder Fälschungen verkaufen.

Fälschungen

Für Fälschungen besonders bekannt ist der sogenannte Pearl-Market; Pearl-Market deswegen, weil hier traditionell Schmuck- und Perlenverkauf betrieben wurde. Heute ist der Pearl-Markt ein großes Kaufhaus, wo es so ziemlich „alles“ gibt, und das gerne gefälscht. Der Pearl-Market ist vor allem ein Ziel für Touristen, auch inländische. Wegen Corona kommen die Touristen nicht (die Einreise nach Peking ist weiterhin kontrolliert und reduziert, um sich den Virus nicht zurück zu holen). Daher war es ziemlich leer, als wir dort waren und die Verkäufer sehr bemüht um uns.  

Es gibt im Pearl-Markt (zum Beispiel) Schuh-Geschäfte, in denen Fälschungen von westlichen Markenschuhen angeboten werden.  Einige Fälschungen sind auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Außen steht Nike drauf und auf der Einlegesohle findet sich ein anderer Markenname. Andere Fälschungen sind so gut, dass man als Laie den Unterschied nicht entdecken kann. Ich habe exakt die gleichen Salomonschuhe gefunden, die ich in Deutschland gekauft hatte und an diesem Tag getragen habe. Ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal habe ich nicht finden können. Sogar der Verlauf des Fadens, mit dem die Sohle am Oberschuh festgenäht ist, sah exakt gleich aus. Nur der Preis betrug etwa ein Zehntel des Preises von Deutschland. Unter Ausländern gibt es daher das Gerücht, dass diese Produkte aus der gleichen Fabrik stammen wie die Originale und in der sogenannten „vierten Schicht“ produziert wurden. Kann sein, vielleicht aber auch nicht. Nebenbemerkung: Die gleichen Schuhe gibt es auch in den edleren Einkaufszentren in Peking. Dort sehen die Geschäfte aus wie bei uns in Europa (oder noch edler) – und die Preise auch.

Interessant finde ich auch, wie die Verkäufer mit der gefälschten Ware umgehen. Bei den ganz günstigen Angeboten geben sie offen zu, dass es sich um Fälschungen handelt. Paul hat sich eher hochpreisige Kopfhörer angeschaut. Es gab sehr ähnlich aussehende Kopfhörer von scheinbar der gleichen Marke, die aber sehr unterschiedliche Preise trugen. Der Verkäufer der Kopfhörer unterscheidet zwischen „Chinese“ und „good“. „Chinese“ waren die offenbar gefälschten. Ob die mit „good“ bezeichneten Kopfhörer wirklich original sind, bleibt offen. Die gleiche Logik auch beim Kauf einer Sonnenbrille. Die RayBan trägt zwar die Aufschrift „made in Italy“, ist aber laut Verkäuferin „Chinese“.

Originale

Aber Vorsicht: Ich habe festgestellt, dass man vielleicht auch Dinge für Fälschungen hält, die in Wahrheit Original sind. Im Pekinger Adidas-Shop, der hoffentlich sicher nur originale Ware verkauft, habe ich so manches Kleidungsstück gesehen, dass ich für Fake gehalten hätte, wenn ich es an einem Passanten / einer Passantin auf der Straße gesehen hätte. Zur Illustration drei Beispiele:

Ist das wirklich von Adidas?

Ich hoffe, keiner unserer Leser hat eines der Kleidungsstücke, die aus meiner Sicht wie Fälschungen aussehen, und wenn doch, hoffe ich, dass du, lieber Leser, das mit Humor nimmst und mir meine Unwissenheit bezüglich der neuesten Sportmode verzeihst.

Kopien

Kopierte Produkte, die anders als Fälschungen einen eigenständigen Markennamen tragen, gibt es auch zu Hauf. Die Produkte sind oft sehr eng an Vorbilder angelehnt, in Funktion, Aussehen, Produktnamen und auch in der Verpackung. So gibt es zum Beispiel Elektrowerkzeug, das von der Formgebung, der Farbe (Bosch-blau) und auch von der Verpackung den Geräten von Bosch entsprechen. Der Markenname ist aber ein anderer. Ich vermute in nahezu jeder Produktkategorie kann man solche Kopien finden. Wobei ehrlicherweise gesagt werden muss, dass ja auch bekannte westliche Marken Produkte lancieren, die sich sehr eng an erfolgreichen Vorbildern der Konkurrenz orientieren. Zwei Bereiche, die mich besonders interessieren J habe ich rausgegriffen, um ein paar Kopien zu zeigen. Autos – passend zum Beruf und Lego – passend zu Familie und Weihnachtszeit.

Automobile

In der Abbildung von links nach rechts sehen wir Fahrzeuge, die einem Audi Q5, einem BMW x6 und einer alten B-Klasse wie aus dem Gesicht geschnitten sind:

Alle im Umkreis von wenigen hundert Metern fotografiert. Es gibt noch viel mehr solche Beispiele. Ein Fahrzeug, das wie ein Sprinter ohne Stern aussieht und einen Bruder im Geiste der G-Klasse sieht man auch recht häufig.

Lego

Es gibt zahlreiche Kopien von Lego. So viele, dass wir es aufgegeben haben, den Überblick zu wahren. Die ersten fünf, die wir entdeckt habe, stelle ich vor. Danach haben wir aufgegeben. Siehe unten.

Sembo-Blocks

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser noch daran, dass wir in einem unserer ersten Berichte (im dritten, um genau zu sein) geschrieben haben, dass das Dreier-Zimmer in Quarantäne vom Hotelpersonal Sembo-Blocks geschenkt gekriegt hat:

Sieht aus wie echtes Lego. Damals haben wir noch gedacht, das sei DAS chinesische Lego. Weitgefehlt. DAS EINE chinesische Lego gibt es nicht. Im Folgenden kommt der Beweis. 

LozminiBlock

LominiBlock ist ein Lego-Verwandter, der tatsächlich eine gewisse Eigenständigkeit hat. Die Einheitslänge, die bei Lego 8mm beträgt (Breite, Höhe und Tiefe der Standardzelle eines Legosteines) ist bei Lozmini nur 6mm lang. Die Verkürzung der Einheitslänge auf 75% der Legolänge klingt nach nicht viel. Im Volumen ist die Einheitszelle aber nur noch 42% so groß. Das klingt schon nach mehr. Beim Zusammenbau ist der Unterschied noch spürbarer. Die Modelle werden viel kleiner und sind etwas anspruchsvoller im Zusammensetzen. Die abgebildete Figur ist unter 8 cm hoch und besteht aus 223 Teilen:

Es gibt auch eine nette Geschichte, wie ich an diese Figur gekommen bin: Diese Figur ist der Affenkönig aus der Geschichte „Reise nach Westen“. Es gibt vier wichtige klassische chinesische Erzählungen. „Reise nach Westen“ ist wohl eine davon. In der Reise nach Westen gibt es vier oder fünf Hauptfiguren. Eine davon ist der Lehrer, der in der Lozmini-Version ein bisschen wie der Weihnachtsmann aussieht. Diesen Weihnachtsmann-Lehrer hatte eine Mitarbeiterin auf ihrem Schreibtisch stehen. So sind wir ins Gespräch gekommen und sie hat mir Nachhilfe in chinesischer Kultur gegeben und von den vier klassischen Werken erzählt. Am nächsten Tag hat sie mir die Lozmini-Box für den Affenkönig geschenkt, der eine weitere Hauptfigur der Reise nach Westen darstellt. Vielleicht lese ich die Geschichte irgendwann. Ein anderer Mitarbeiter hat mir davon abgeraten: Vorsicht, tausend Seiten! Ich solle doch lieber die Fernsehserie anschauen. Den Ratschlag habe ich danach noch ein paarmal gehört.

XIAOMI

Ja, auch Xiaomi verkauft einen Lego-Klon. Die mittlerweile auch in Deutschland bekannte Marke für elektronische Geräte (Handys, Fernseher, Laptops) und Haushaltsgeräte Xiaomi (Kühlschränke, Staubsauger…) hat auch – einige wenige – legoartige Bausätze im Angebot. Hier ist das Zielpublikum ganz klar die mögliche Kundschaft von Lego Technik. Der Bausatz, den wir ausprobiert haben, ist wirklich bemerkenswert. Ein Rennwagen (ca. 900 Teile) mit Antriebsmotor, Lenkungssteller, Fernsteuerung und Li-Akku für 300 RMB, das sind ca. 38 Euro:

Das wäre bei unseren Freunden aus Dänemark deutlich teurer. Eine gedruckte Aufbauanleitung gibt es allerdings nicht. Man muss eine App herunterladen, die die Aufbauanleitung enthält. Die Fernsteuerung des Fahrzeuges soll mit einer App auf dem Handy über Bluetooth erfolgen. Wermutstropfen: Mit einem Samsung-Handy haben wir die Fernsteuerung nicht zum Laufen gebracht. Vielleicht geht es mit einem Xiaomi-Handy (Julia hat eins) besser. Der Versuch steht noch aus.

BeCool

Im Seven-Eleven (das ist eine auch in China verbreitete Kette von kleinen Supermärkten, die von morgens sieben bis abends elf geöffnet haben, haben wir einen Bausatz eines kleinen Autos mit Aufziehmotor erstanden — für 20 Y, also 2 Euro 50. Superpreis. Auch hier sind die Bausteine wirklich sehr nahe am Original von Lego.

Keeppley

Ebenfalls kaum von Lego zu unterscheiden haben wir von Keeppley Sets gesehen, die bekannte Themen – wie hier im Bild Pokemon – aufgreifen:

… und dann haben wir aufgegeben. Der Besuch in einem Spezialgeschäft für Lego-Klone im oben erwähnten Pearl-Market hat uns zur Kapitulation gebracht. Es gibt unzählige Marken, die Lego-ähnliche Spielzeugsets anbieten. Siehe FOTO:

Und damit wünsche ich Euch eine gute Adventszeit. Vielleicht baut ja der eine oder andere von Euch in den nächsten Wochen Lego! Unsere Kinder sind ja leider fast schon zu groß dafür ;-).

Also, wenn ihr Lego baut, denkt an uns! Sonst auch. Wir denken an Euch in der Heimat.

Mit den besten Grüßen

Familie Hilgers,

Legolaner.

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