Urlaub, Teil 2: Erhai-See und nagelneue Altertümer

Bericht 23 vom 5.8.2021, geschrieben von Michael.

Dali und Kunming sind beides Großstädte in der Provinz Yunnan, und trotzdem sind unsere Ausweise auf unserer Reise von Kunming nach Dali fünfmal geprüft worden.

Dali liegt (wie Kunming) auf rund 2000m, am Erhai-See eingebettet zwischen Bergen. Die Berge sehen aus wie harmlose begrünte Hügel, sind aber weit über 3000m, zum Teil sogar bis 4000m hoch. See und Berge geben eine grandiose Kulisse ab:

In der Ebene zwischen See und Bergen haben wir (endlich!) Reisfelder gesehen!

Wir sind jetzt seit rund einem Jahr in China und haben noch nicht so viele Reisfelder gesehen. Reis kommt aus dem Süden von China. In der Gegend um Peking sind Reisfelder eher nicht verbreitet.  Ein Kollege sagte mal vereinfachend: Südchinesen essen Reis, Nordchinesen essen Getreide.

Am Ufer des Erhai-Sees kann man sehr entspannt Radfahren und die Natur genießen. Die Uferstraße ist Fußgängern, Fahrrädern und kleinen Elektrobussen vorbehalten.

Der Erhai-See ist auch bei chinesischen Touristen sehr beliebt und dient vielen, vielen Paaren als Kulisse für Hochzeitsfotos. Überall haben wir Pärchen getroffen, die in Hochzeitskleidung Fotos machen.

In China gibt es zahlreiche Minderheiten, nach offizieller Zählung über 50. Die bekanntesten Minderheiten sind wohl die muslimischen Minderheiten und die Tibeter. In Dali und am Erhai-See ist die sogenannte Bai-Minderheit die größte Minderheit. Bai beisteht für weiß und hat auch das gleiche Schriftzeichen wie die Farbe Weiß. Deswegen haben die Bai-Menschen hier in Dali besonders gerne weiße Häuser; diese Häuser sind häufig mit blau-grauen Verzierungen und Gemälden geschmückt.

Eine interessante Beobachtung haben wir gemacht: Viele der Sehenswürdigkeiten, die wir sehen, sind gar nicht so alt sind, wie es den Anschein hat. Es scheint, dass hier in China die geschichtlichen Zeugnisse, die wohl in der Vergangenheit sehr gelitten haben, wiederhergestellt und sogar „verbessert“ werden sollen.

Der buddhistische Tempel am Erhai-See, der so eindrucksvoll zwischen See und Bergen liegt, ist in den 2000er Jahren gebaut worden. An der gleichen, von der Natur bevorzugten Stellen stand allerdings früher auch schon mal ein Tempel, der die Zeit nicht überdauert hat. Ein chinesischer Besucher hat uns darauf hingewiesen, dass die Bemalung des neuen Tempels im „Peking-Stil“ sei, da man die Handwerker aus Peking hat kommen lassen. Und tatsächlich Farbgebung und Muster der Bemalung sieht aus wie in Peking. Der Tempel, der früher mal hier stand, war wohl in einem anderen, lokalen Stil gestaltet. 

Auch eine Brücke in Shaxi, einer Kleinstadt, in der wir einige Tage später waren, sieht so aus, als sei sie aus dem frühen Mittelalter.

Tatsächlich stammt die Brücke aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Hier ging es aber sicher nicht darum Geschichte zu konstruieren, sondern wir vermuten, dass Shaxi in den 30er Jahren des 20sten Jahrhundert noch recht nahe am Mittelalter war.

Der Name des Erhai-Sees, von dem hier die Rede ist, kommt von der Form des Sees. Diese erinnert an eine Ohrmuschel und „Er“ ist das chinesische Wort für Ohr.

Also haltet die Ohren steif!

Es grüßt euch auf das herzlichste

Michael

2 Kommentare zu „Urlaub, Teil 2: Erhai-See und nagelneue Altertümer

  1. Hallo Michael, danke, dass du durchhältst mit deinen interessanten Berichten. – Ich kann dir von Mannomann nichts berichten, denn auch nach dem Corona-Einschnitt war ich nicht mehr dort. Ein Grund: wir sind nach Winnenden umgezogen. Aber vielleicht gehe ich nach den Ferien wieder hin – bin noch unentschossen.
    Liebe Grüße, Manfred

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