Urlaub, Teil 5: Tibetischer Buddhismus

Bericht 26 vom 13.8.2021, geschrieben von Michael.

Einige der Gegenden in den Provinzen Yunnan und in Gansu, die wir besucht haben, gehören zum tibetischen Kulturkreis. Die Einreise in die Provinz Tibet selbst war für Ausländer im Juli 2021 nicht gestattet, so dass die Orte, die die Agentur für uns ausgewählt hat, eine gute Alternative waren. In den besuchten tibetischen Gegenden ist der Buddhismus überall sichtbar und erfahrbar. Deutlich anders als in Beijing, wo man religiöse Stätten bewusst suchen muss.  Laut Wikipedia lebt die Hälfte der Buddhisten in China und in den besuchten Gegenden ist das deutlich spürbar. Etliche Sehenswürdigkeiten, die wir gesehen haben, haben einen buddhistischen Bezug.

Die Tempel liegen zum Teil auch an landschaftlich sehr reizvollen stellen. So zum Beispiel der schon erwähnte Drei-Pagoden-Tempel bei Dali, der zwischen Erhai-See und Bergen liegt.

Zwei besonders große Tempel sind der Tempel von Shangri-La (links) und der Tempel Labuleng (rechts):

In Labuleng wohnen angeblich 1500 Mönche. Große Buddhistische Tempel bestehen aus vielen verschiedenen Gebäuden. Wohngebäude für die Mönche und verschiedene Tempel für das Gebet.

Neben den großen Tempeln haben wir auch in den von der tibetischen Kultur geprägten Gebieten von Yunnan und Gansu überall kleinere buddhistische Heiligtümer. Zum Beispiel Stupas, das sind Heiligtümer, in die man nicht hineingehen kann und in die (immer?) Reliquien eingemauert sind.

Aber auch Opferstätten, an denen wohlriechende Zweige verbrannt werden:

Der Geruch von Räucherware steigt einem überall in den tibetisch geprägten Gegenden in die Nase. 

Ein paar Worte zum Buddhismus, die unsere Bilder vielleicht noch anschaulicher machen. Hier ist, was ich von den Erläuterungen unserer verschiedenen Reiseführer verstanden habe. Es gibt verschiedene Formeln und Gebete. Die einfachsten bestehen aus wenigen Worten, die man auf einem drehbaren Ring oder Schlüsselanhänger auch immer dabeihaben kann. Man kann die Worte immer wiederholen, als sogenanntes Mantra. Das ist praktisch, wenn man keine komplizierteren Gebete sprechen kann, weil man zum Beispiel nicht lesen kann. Die Gebetsmühlen, die man andrehen kann, dienen dem gleichen Zweck: In der Gebetsmühle steckt ein Gebetstext und die Leute, die nicht lesen können und den Gebetstext daher nicht selber sprechen können, drehen einfach die Gebetsmühle.

Auf diese Weise wird das Gebet auch „ausgeführt“. Es ist allerdings zu beachten, dass die Gebetsmühle in einer bestimmten Drehrichtung zu drehen ist: in der Regel im Uhrzeigersinn. Es gibt auch Spielarten des Buddhismus, bei denen gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird. Auch Gebetsmühlen mit Windradantrieb haben wir gesehen. Da braucht der Gläubige gar nicht mehr selber zu drehen. Es gibt einzelnstehende Gebetsmühlen, die manchmal übermannshoch sind.

Und es gibt Reihen von Gebetsmühlen, in denen hunderte Gebetsmühlen aneinandergereiht sind. Da kann man dann verbeilaufen und sehr effizient ganz viele Gebetsmühlen andrehen.

Die bunten Fahnen, auf denen Gebete niedergeschrieben sind, funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Das geschriebene Gebet flattert im Wind und wird so fortgetragen – hoffentlich dahin, wo es erfüllt werden kann.

Diese Gebetsfahnen sind allerdings nicht ursprünglich buddhistisch, wie uns einer unserer Führer erläutert hat: Sie kommen eher aus den Naturreligionen und sind vom Buddhismus adaptiert worden. Die Gebetsfahnen sind sehr farbenfroh. So ist der Buddhismus ohnehin eine sehr bunte Religion. Auch in den Tempeln ist es sehr farbenfroh.

Verschiedene Tempel sind für verschiedene Götter vorgesehen. Viele der Ideen, die uns erläutert wurden, kennt man so oder ähnlich auch aus dem Abendland. So gibt es bei den Buddhisten fünf Grundelemente: Feuer, Erde, Luft, Wasser und Leere. Ähnlich den vier Grundelementen, die wir aus dem alten Griechenland kennen. Auch die vielen Götter, die für Verschiedenes zuständig sind, kommen uns, wenn man sich an die griechischen oder römischen Götter erinnert oder auch an die christlichen Heiligen denkt, irgendwie dann doch gar nicht so exotisch vor. Sehr exotisch sind allerdings die aus Butter gefertigten Ornament-Bilder, die sehr groß, circa zwei mal zwei Meter und sehr farbenprächtig sind. Sie stinken allerdings auch ein bisschen nach ranziger Butter. Einmal im Jahr werden die Butter-Ornamente neu erstellt.

In einem buddhistischen Tempel hat uns der Guide erläutert, dass es einen Ort gibt, der für das Portrait des Dalai-Lamas vorgesehen ist. Den Dalai-Lama zu zeigen, ist in China allerdings verboten. Daher ist dieser Portrait-Platz leer. Andere hochrangige Lamas werden mit ihren Fotos gezeigt. Es gibt wohl auch einen sehr hohen Lama, der Mitglied des chinesischen Parlaments ist. Häufig findet man in den Tempeln auch Opfergaben für die Götter. Das können Süßigkeiten, Früchte, zubereitete Gerichte wie Reis oder Getränke sein. Besonders eindrucksvoll fand ich eine endlose Reihe von Rotweinflaschen, die als Opfergabe in einem Tempel aufgereiht war.

Reichere Tibeter haben auch einen Gebetsraum in ihrem Privathaus. Das folgende Foto durfte ich in einem Privathaus von offenbar begüterten Tibetern machen: Wenn wir das richtig verstanden haben, wird der Raum nur für die Religion und die Ahnenverehrung eingerichtet. Auf Englisch wurde er uns mit „Shrine“ erläutert.

Aus der ferneren Vergangenheit stammt der Binglin Tempel, bei dem hunderte von Buddha-Statuen in die Felswand gestellt wurden. Die kleinste ist vielleicht zwanzig Zentimeter groß und der größte Buddha ist riesig – siehe Foto: Das Kleine am unteren Bildrand sind Menschen. Heute ist das wohl eher keine religiöse Stätte mehr, sondern eine touristische. Und eine sehr sehenswerte; man kommt nur mit dem Boot über den Gelben Fluss (HuangHe) dorthin und wieder zurück.

Mit dem Foto vom größten Buddha machen wir Schluss für heute.

Macht’s gut,

Euer Michael

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