Urlaub, Teil 7: Lanzhou am Gelben Fluss

Bericht 28 vom 19.8.2021, geschrieben von Michael.

Nach zwei Wochen in Yunnan sind wir in die Hauptstadt der Provinz Gansu namens Lanzhou geflogen.

Wieder eine große Stadt. Wir haben gelesen, dass Lanzhou im Jahre 1998 zu einer der dreckigsten Städte der Welt gekürt worden ist. Solche Ranglisten sind mit Vorsicht zu genießen, aber vermutlich ist was dran, dass Lanzhou damals nicht soo schön war. Und dass es dreckig, zumindest staubig in Lanzhou ist, liegt schon an der Landschaft drum herum. Graubraunes trockene Erde mit ziemlich spärlichem Bewuchs. Trocken-Steppe. Schon aus dem Flugzeug heraus ist der erste Eindruck von Lanzhou vor allem eins: braun. Braune Hügel soweit das Auge reicht.

Vegetation ist aus dem Flugzeug nur in den Tälern als leichtes Grün zu erkennen, ansonsten sind die Hügel braun. Der Flughafen liegt weit außerhalb der Stadt, über 1 Stunde Autofahrt in die Stadt hinein. Auch auf dieser Fahrt kommt man nur an braunen Hügeln vorbei, die ganz spärlich mit dürrem Gras bewachsen sind. Büsche oder gar Bäume sieht man fast keine und wenn, dann sind sie offenbar von Menschenhand gepflanzt. Auch die Gebäude in den Außenbezirken sind eher braun und trist. Lanzhou ist die Stadt, die von der Farbgebung am ehesten meiner Erwartung an China entsprach, bevor ich das erste Mal nach China gekommen bin. Das Stadtzentrum ist allerdings quirlig und bunt wie alle chinesischen Städte, die wir bislang gesehen haben.

In der Stadt selber haben wir uns sehr wohl gefühlt. Lanzhou ist die einzige Stadt am Gelben Fluss, in der der Gelbe Fluss mitten durch die Stadt fließt. Alle anderen Städte „am“ gelben Fluss wahren etwas Abstand. So liegt die Stadt Zhengzhou, die wegen der dramatischen Überflutungsbilder neulich auch in Deutschland in den Nachrichten zu sehen war, ca. 20 km vom Gelben Fluss entfernt. Ich vermute, das hat historisch (die Stadtgründungen in China liegen in der Regel Jahrhunderte zurück, wie in Europa) etwas mit Überschwemmungen, Sumpfgebieten und der damit verbundenen Unannehmlichkeiten (Malaria) etc. zu tun. In Lanzhou ist von 1907 bis 1909 die erste permanente Brücke über den Gelben Fluss gebaut worden. Von einer deutschen Gesellschaft. Vorher waren die Brücken über den Gelben Fluss Pontonbrücken, die bei Hochwasser oder im Winter eingeholt wurden, so dass Reisende oft wochenlang festsaßen.

Der Gelbe Fluss ist ein Grund, weshalb wir uns in Lanzhou wohlgefühlt haben. An seinem Ufer gibt es kilometerlang eine Uferpromenade, an der Menschen in Liegestühlen unter Bäumen im Schatten sitzen und einen speziellen Tee mit 8 Kostbarkeiten trinken. Die Teezutaten werden in einem Glaskrug ausgegeben und man erhält eine große Thermoskanne mit heißem Wasser, so dass man sich immer wieder neu Tee aufgießen kann. Dazu kann man Sonnenblumenkerne knacken oder Nüsse essen oder auch Hühnerfüße – von denen wir ja schon berichtet haben. Wir haben den ganzen Nachmittag und Abend an dieser Uferpromenade zugebracht.

Gansu ist keine Tourismus-Provinz und Lanzhou keine Touristenstadt. An dem Tag, an dem wir ins Provinz Museum von Gansu gegangen sind und anschließend den Nachmittag am Gelben Fluss verbracht haben, haben wir während des ganzen Tages keinen einzigen weiteren Ausländer gesehen. Am darauffolgenden Tag sind wir zu einem Stausee des Gelben Flusses gefahren, um den buddhistischen Binglin-Tempel zu besuchen. An der Bootsanlegestelle waren andere Touristen, Chinesen, so erstaunt von uns, dass sie uns sehr lange unverhohlen, fast schon frech uns angestarrt haben und mit dem Finger auf uns gezeigt haben.

Das schon erwähnte Provinzmuseum in Lanzhou, in dem es Ausstellungsstücke aus allen Epochen gibt, von den Dinosauriern bis heute, ist sehr sehenswert. Das Vorzeigeobjekt scheint ein sehr altes Bronzepferd zu sein, das überall abgebildet ist. Eine ganze Armee von Pferden gibt es auch.

Ich fand aber besonders beeindruckend die Exponate aus der Steinzeit. In der Provinz Gansu gab es eine Steinzeitkultur, die vor 6000 oder 7000 Jahren schon kunstvolle Tongefäße erstellt hat. Und das wirklich Beeindruckende ist, dass in dem Museum dutzende nahezu unversehrt geborgene 40 oder 50 cm hohe Amphoren ausgestellt sind.

Aus der Zeit erwartet man normalerweise ein paar Scherben oder bestenfalls eine aus Scherben zusammengesetztes Puzzle mit Fehlstellen. In Gansu sehen die Jahrtausende alten Amphoren fast wie neu aus.

Ich hoffe, dass Euer Porzellan wie neu ist.

Mit den besten Grüßen

Michael

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