Stell dir vor, es ist Olympia und keiner geht hin!

Bericht 36 vom 05. März 2022, geschrieben von Michael.

Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse liegen die olympischen Winterspiele in Peking jetzt schon gefühlte Lichtjahre in der Vergangenheit. Ich erlaube mir trotzdem den begonnenen Blogeintrag fertig zu stellen. Nochmal zur Erinnerung: Peking war Ausrichter der olympischen Winterspiele 2022.

Ist natürlich toll, wenn die Spiele in die „eigene“ Stadt kommen. Also, im Prinzip zumindest. Faktisch war es nicht möglich die olympischen Spiele zu besuchen. Die Sportler und alle an den Sportwettkämpfen Beteiligten wurden vom Rest der Bevölkerung abgetrennt in der sogenannten olympischen Blase, um eine Ansteckung aus der Olympiablase heraus an die Pekinger Bevölkerung zu vermeiden (nach einigen Fällen im Januar und Februar ist die Stadt derzeit wieder komplett Corona-frei). Auch in der Olympiablase wurden alle Ansteckungen akribisch verfolgt. Mit gutem Erfolg, wie die Infektionszahlen zeigen.

Die Olympiastandorte waren hermetisch abgeschirmt, so dass es für uns nur dazu gereicht hat, um das Olympiaareal in Peking (rund um das bekannte Vogelnest) herumzufahren und von außen Fotos von den bunt illuminierten Gebäuden zu machen. Schön groß und bunt mit wechselnden Farben:  

Auf einigen der Hauptausfallstraßen von Beijing zu den Sportstätten außerhalb ist eine der Fahrspuren abgetrennt und als Olympiaspur festgelegt worden. Auf dieser Olympiaspur durften und dürfen immer noch – die Regel bleibt wohl bestehen bis zum Ende der paralympischen Wettbewerbe – nur Fahrzeuge fahren, die zur olympischen Blase gehören. Auf der (in eine Fahrtrichtung) dreispurigen Stadtautobahn, die wir benutzen, um nach Peking reinzufahren und die häufig auch im Normalverkehr schon recht verstopft ist, führt das natürlich zu einem zusätzlichen Engpass. Nur zwei statt drei Fahrspuren macht sich ziemlich bemerkbar.

Die Fahrzeuge, die auf der dritten Fahrspur, auf der Olympia-Fahrspur, fahren dürfen, tragen einen roten ovalen Aufkleber mit der Aufschrift „Beijing 2022“.  Es sind viele Busse, aber auch Vans und Pkws, die diese Aufkleber tragen. Im Vorfeld der olympischen Spiele ist eine E-Mail an alle verteilt worden, in der die Olympia-Fahrspur erläutert wurde. Viel interessanter waren aber die Erläuterungen zu den Fahrzeugen mit dem roten Olympiaaufkleber: Diese Fahrzeugen möge man nicht anfassen, nicht anschreien und im Falle eines Verkehrsunfalls solle man auch nicht zu Hilfe eilen. Der Hintergrund dieser Aufforderung wurde in der Mail nicht erklärt, die Idee schien aber zu sein, dass auch hier ein Kontakt von möglich infizierten Personen aus der Olympiablase mit der einheimischen Bevölkerung vermieden werden sollte.  Das erklärt allerdings nicht, warum man die Olympiafahrzeuge nicht anschreien soll.

Einen einsamen kanadischen Sportler in seinem Auto haben wir nördlich Pekings auf einer Autobahn (ohne separate Olympiaspur) gesehen. Das war die größte Annährung an einen olympischen Sportler, die uns geglückt ist. 

Tickets für die Wettkämpfe waren nicht erhältlich.  Den sportlichen Teil von Olympia haben die meisten Pekinger – wie wir auch – nur als Fernsehzuschauer erlebt. 

Die wenigen Zuschauer, die bei den Wettkämpfen anwesend waren, sind eingeladen worden. Einladungen sind unter anderem über die Partei ausgesprochen worden, zum Teil sehr kurzfristig. Ein chinesischer Kollege hat mittwochs erfahren, dass er samstags einen Wettbewerb besuchen darf. Er durfte zum Curling. Zu seinem Glück konnte er vorher an einer Schulung teilnehmen, bei der die Regeln erläutert wurden. Besonders beeindruckt hat ihn, dass die Curlingsteine so teuer sind. Überhaupt ist das Wissen meiner chinesischen Kollegen zum Thema Wintersport ausbaufähig. Ein anderer Kollege hat mir berichtet, dass er am Vorabend geschaut hat, wie die Sportler mit einer Art Fahrzeug die Eisbahn runterfahren. Das war Bobfahren. Bob, Rodel und Skeleton sind ja auch bei uns absolute Randsportarten; hier in China fällt das unter die Rubrik „noch nie gehört oder gesehen“. Der olympische Eiskanal, das muss man vielleicht dazu sagen, ist die erste Rodel- und Bobbahn in China. Damit die chinesische Bevölkerung mehr Spaß und Verständnis an den Spielen hat, sind im Vorfeld der olympischen Spiele im chinesischen Staatsfernsehen – aber auch auf Plakatwänden – die verschiedenen Sportarten erklärt worden.

Weil wir von Olympia nicht viele Fotos zeigen können – es gab wie gesagt nichts zu sehen – hier, ein interessantes Naturphänomen, das wir fotografieren konnten: Der Kondensstreifen eines Flugzeuges wirft einen Schatten in eine Wolkenschicht. Ein Naturphänomen, dass ich so auch noch nicht gesehen habe:

Liebe Grüße

Euer Michael

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