Gemischtes Dreierlei aus China

Bericht 40 vom 22.Mai 2022. Geschrieben von Michael.

Den derzeitigen Alltag mit Corona hat Simone ja in den letzten beiden Blogbeiträgen beschrieben. Alle nicht notwendigen Orte (Restaurants, Museen, Geschäfte die nicht den täglichen Bedarf decken) sind geschlossen.  Die Menschen sind gehalten, zu Hause zu bleiben. Und wir machen jeden Tag einen Corona-Test.

Es ist aber nach wie vor kein Problem raus und einkaufen zu gehen.  Es wird versucht mit „intelligenten“ Maßnahmen (so ist das Wort, das mein Kollege benutzt), den „richtigen“ Lockdown wie in Shanghai und anderen Städten zu verhindern. Auch den chinesischen Behörden ist klar, dass ein Lockdown für die Menschen und die Wirtschaft schlecht ist.

Zu den intelligenten Maßnahmen gehört, dass die Stadtteilgrenzen von Beijing eine Bedeutung erlangen. Die Stadt wird quasi aufgeteilt, um die Verbreitung des Virus einzuschränken.  Taxifahrten über bestimmte Stadtteilgrenzen hinweg sind nicht mehr erlaubt. Nebenbemerkung: Die Bevölkerung reagiert darauf, indem in den sozialen Netzwerken Tipps geteilt werden, bis wo man mit dem Taxi fährt, wo man ein Leihfahrrad nimmt und wo man wieder ins Taxi steigt.
Private Autofahrten sind nach wie vor erlaubt und es gibt keine Kontrollen.
Einige U-Bahn-Stationen an Hotspots sind gesperrt, aber im Prinzip fährt auch die U-Bahn. Wie schon die ganze Zeit muss man natürlich Maske tragen und am Eingang die Temperatur messen. In einigen stärker von Corona betroffenen Stadtteilen ist Homeoffice Pflicht. „Stärker betroffen“ von Corona heißt hier in Peking derzeit eine Handvoll bis zwei Dutzend Infektionen pro Tag in einem Stadtteil. 
Für unsere Firma ist die Regel derzeit, dass Menschen, die in dem Stadtteil wohnen, in dem die Firma liegt (Huairou), zur Arbeit kommen dürfen. Menschen aus anderen Stadtteilen müssen von zu Hause arbeiten. Mein Glück ist, dass die meisten meiner Mitarbeiter in Huairou wohnen, so dass die Arbeit fortgeführt wird. Mein Pech ist, dass wir in Chaoyang wohnen, so dass ich den ganzen Tag über Telefon und Videokonferenz arbeite. Die Schulen sind alle geschlossen und betreiben Online-Schooling – wir hatten schon darüber berichtet, dass Schulschließungen eine der ersten Maßnahmen ist, die die chinesischen Behörden ergreifen. So sind wir alle fünf derzeit wochentags zu Hause und schauen in unsere Computer.

Eigentlich wollte ich den Eintrag beginnen mit „Den derzeitigen Alltag mit Corona hat Simone ja in den letzten beiden Blogs beschrieben, daher erzähle ich heute zwei andere Facetten aus unserem Erleben hier in Peking….“ Dann hat es mich doch Corona-mäßig fortgespült.

Jetzt also die beiden anderen Facetten:

Wir kriegen hier in China über die deutschen Medien und CNN sehr gut mit, was in der Ukraine passiert und dass in Deutschland verständlicherweise der Krieg DAS dominierende Thema ist. Bei uns in der Familie am Esstisch im Übrigen auch. Soweit ich das mit meinen Kollegen thematisieren konnte, war der Krieg in der Ukraine in den ersten Tagen des Krieges auch hier in der chinesischen Öffentlichkeit sehr präsent. Die offizielle Darstellung der chinesischen Medien folgt dabei wohl sehr stark dem russischen Narrativ. Zumindest soweit ich das aus den Gesprächen heraushören konnte. Es scheint mir, dass das Interesse am Krieg in der Ukraine hier in China bei den meisten schnell erlahmt ist. Die Ukraine ist weit weg. Ein näherliegendes Thema ist zum Beispiel Corona (siehe oben).

Spielzeug für die Kleinen

Krieg und Militär an sich sind in der chinesischen Gesellschaft allerdings sehr präsent. Im chinesischen Fernsehen findet man Kriegsfilme zuhauf. Wir können den Filmen nicht folgen, aber es scheint, dass viele Filme die (historischen) Kriege gegen die Japaner zum Thema haben: Die tapferen Chinesen schlagen die bösen Japaner. Vor einigen Monaten gab es einen extrem erfolgreichen Kinofilm, der wohl im Koreakrieg spielte und in dem die tapferen Chinesen gegen westliche Gegner gesiegt haben. Der Westen wird durchaus als Gegner gesehen. Meine Kollegen sind immer sehr feinfühlig, aber auch einsilbig, wenn dieses Thema gestreift wird, so dass ich nur sehr eingeschränkt Einblicke gewinne, was tatsächlich gedacht wird. Sichtbar sind sehr viele Kinder mit Militärspielzeug und, das ist vielleicht der Unterschied zu Deutschland, das wird als sehr normal angesehen. Auch militärische Souvenirs findet man sehr verbreitet.

im Souvenirladen (fotografiert, als wir noch reisen konnten …)

Auffällig ist auch, dass im öffentlichen Raum zum Beispiel auf Reklamebildschirmen oder in den Bildschirmen in der U-Bahn häufig militärische Szenen gezeigt werden. Eine der Ikonen des Nationalstolzes der Chinesen sind die Flugzeugträger, die derzeit gebaut und in Betrieb genommen werden.

Freizeitspaß

Nach den beiden schwierigen Themen Corona und Krieg jetzt was Leichtes und sehr Alltägliches zum Ausruhen: das Schlafen.  

Nickerchen auf der Arbeit

Wir schlafen gut. Die meisten Westler, so auch wir, haben ihre Matratzen bei Ikea gekauft. Dort gibt es Federung und Weichheit, wie wir sie gewöhnt sind. Damit einhergehend ist es oft auch naheliegend IKEA Bettgestelle zu kaufen, da dann die Größe des Bettgestells und der Matratze zueinander passen. Chinesische Bettgestelle passen nicht unbedingt zu den westlichen Matratzen. Die typischen chinesischen Betten sind sehr hart. Hotels, die auch westliche Besucher oder westlich orientierte Besucher erwarten, haben etwas weichere Betten, aber immer noch eher hart. Die Hotelbetten in den Städten sind in der Regel aber OK für uns. So richtig hardcore (im wahrsten Wortsinne) haben wir es schon erlebt, wenn Westler nicht unbedingt zum Zielpublikum gehören. Wir haben schon mehrfach in kleineren Gasthäusern übernachtet, wo die Schlafstatt so richtig hart war. Vor einiger Zeit in einem Gasthaus an der Mauer im Norden Pekings war das Bett so hart, dass Paul (der wenig körpereigene Weichschale hat) am nächsten Morgen blaue Flecken hatte.
Als wir nach China gekommen sind, habe ich irgendwo den guten Ratschlag gelesen, man möge sich keinesfalls erleichtert aufs Bett fallen lassen, wenn man nach einem langen Tag müde ins Hotelzimmer kommt. Das Bett könnte zu hart sein. Das können wir unterstreichen.    

Chinesen haben ganz offenbar andere Schlafgewohnheiten. Das betrifft nicht nur die Härte des Bettes, sondern auch die Orte, an denen geschlafen wird. Der Mittagsschlaf wird schon in der Schule gepflegt und erfreut sich allgemein großer Beliebtheit.

Man sieht die Leute an ihren Arbeitsplätzen und Verkaufsständen zu allen Tageszeiten schlafen, wo man nicht immer weiß, ob dieses Schläfchen jetzt vorgesehen ist. Aber auch in der Mittagspause schlafen die Mitarbeiter. Als großer Fan des Mittagsschläfchens trifft diese Schlafkultur auf viel Sympathie bei mir. Leider habe ich in der Regel keine Zeit für das Mittagsschläfchen. Bei mir auf der Arbeit schlafen die Kollegen häufig im Sitzen, die Arme auf die Tischplatte und den Kopf in die Arme gelegt. Die Schlafhaltung, die wohl schon in der Schule eingeübt wird. Das Licht wird in den Großraumbüros in der Mittagspause ausgeschaltet und es versteht sich von selbst, dass alle dann ganz leise sind. Vor dem Mittagsschlaf möchte man natürlich gerne noch in die Kantine gehen, so dass der anschließende Mittagsschlaf mit der Arbeitszeit zu kollidieren droht.

Die vielen Menschen, die in kleinen Geschäften arbeiten, sieht man auch immer wieder beim Nickerchen. Bauarbeiter sieht man in der Mittagszeit manchmal einfach auf dem Bürgersteig liegend schlafen.

Die Toleranz gegenüber dem Schläfchen ist allgemein sehr hoch. Auch in der Lobby des Fünf-Sterne Hotels sieht man Leute auf den Sofas ungestört ihren Mittagsschlaf halten. 

Also schlaft gut!

Es wünscht Euch einen erholsamen gesunden Schlaf und dass Krieg und Corona wieder gut werden

Euer Michael

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