Mit dem Fahrrad in Beijing

Bericht 42 aus China vom 05. Juni 2022, geschrieben von Michael.

Wie schon erwähnt, sind wir derzeit alle fünf im Homeoffice. Paul darf ab Montag wieder in die Schule. Wann es für uns anderen wieder zur Arbeit/Schule geht, ist noch unklar. Hoffentlich bald. Aber in der Freizeit können wir uns (draußen) bewegen. Fahrrad fahren geht. Mögliche Ziele allerdings sind in der Regel geschlossen: Parks, Restaurants, Museen sind alle zu. 

(Anmerkung: Inzwischen sind 3 Tage vergangen und alles ist anders – Michael darf wieder zur Arbeit und quasi alles ist wieder offen! Ab 13. dürfen alle wieder zur Schule.)

Mittlerweile haben wir in Beijing Hochsommer: 36 Grad. Tagsüber bleiben wir da lieber im Haus, so heiß ist es. Dieses Jahr hatten wir wohl ein für Pekinger Verhältnisse recht langes Frühjahr, in dem man bei angenehmen Temperaturen draußen sein konnte. Also sind wir mit dem Fahrrad losgezogen.  Es ist immer interessant sich durch Peking zu bewegen. Irgendetwas Farbenfrohes, Interessantes oder Neues entdecken wir immer. Peking ist voll von Hochhäusern. Überall in Peking gibt es Bürotürme, besonders an den großen Straßen.  

Aber auch die Wohnbebauung strebt in den Himmel. Typische Neubausiedlungen bestehen aus dutzenden ähnlichen Wohntürmen, typischerweise 25 bis 30 Stockwerke hoch.

Auch 50 km außerhalb des Stadtzentrums – zum Beispiel in Huairou – findet man noch 30 Stockwerke hohe Häuser. Dazwischen findet man immer wieder die traditionellen Hutongs.  Selbst innerhalb des zweiten Rings, der die innere Stadt begrenzt, kann man durch Hutongs mit dörflicher Atmosphäre gehen. Wenn man in den Hutongs steht und im Hintergrund eines der modernen Riesengebäude sieht, wirkt es manchmal, als sei ein Ufo gelandet.

Peking ist auffällig grün. Und damit meine ich nicht nur die vielen, vielen Parks. Die Parks sind vielleicht nochmal eine eigene Geschichte.  Viele Straßen in der Innenstadt sind an beiden Seiten mit Bäumen bestanden. Immer wieder erstaunt es mich, wie grün Peking ist.

Um die Pflanzenpracht zu erhalten, ist viel Arbeit erforderlich. Überall sieht man Arbeiter die Beete am Straßenrand pflegen, auch am Sonntag und auch bei 36 Grad im Schatten. Den etwas besseren Job haben dann schon die Gärtner, die mit einem Tank-Lkw herumfahren und die Bäume wässern oder mit Schläuchen abspritzen.

Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, empfiehlt es sich von diesen Fahrzeugen Abstand zu halten, denn nicht immer wird nur Wasser gespritzt, sondern manchmal auch Schädlingsbekämpfungsmittel. Das riecht man dann.  Eines der (vielen) besonders grünen Viertel ist das Botschaftsviertel. Hier sieht man die Wachmänner, die ich sonntags morgens um 8:00 mit dem Fahrrad getroffen habe, als sie zur Wachablösung an den Botschaftstoren unterwegs waren:

  

Obwohl Peking grün ist, ist es doch viele Wochen im Jahr sehr trocken. Daher ist es auch ungeheuer staubig. Manchmal sieht unser frischgewaschenes Auto schon nach einem Tag so aus, als hätten wir an einer Wüsten-Autorally teilgenommen. Es gibt daher nicht nur Fahrzeuge, die Wasser auf die Pflanzen spritzen, sondern auch Lkws, die in der Stadt herumfahren und die Straßen wässern, um den Staub zu binden. Brachflächen werden häufig mit grünen Planen abgedeckt, damit der Staub sich nicht weiter ausbreitet. Es gibt riesige Brachflächen hier in Peking. Teilweise kann man erkennen, dass es sich um abgerissene alte Hutong-Wohnviertel handelt. Unter den Planen kann man Ziegelsteine, zerbrochene Waschbecken und ganze Mauerteile erkennen.

Je nach Gebäudequalität dringt der Staub auch in die Räume ein. Neulich war ich der erste Kunde in der Schalterhalle beim Huairou Government. Dort werden offenbar jeden Abend die Bildschirme abgedeckt, damit sie nicht zu sehr einstauben. 

Die trockene Luft kann man sich natürlich auch zu Nutze machen, um luftgetrocknetes Fleisch herzustellen. Auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes stehen diese Feuerlöschgeräte (die überall in China griffbereit zu finden sind). Die Gestelle, an denen normalerweise Eimer, Schaufeln und Beile hängen sollten, eignen sich ganz offenbar auch zum Fleischtrocknen.  

In einem etwas teureren Einkaufsviertel bin ich bei einer Radtour mal wieder auf ein kleines autonomes Fahrzeug getroffen. Es hatte zwar Lichter auf dem Dach, aber weil hier in Peking ganz viele Lichter an allen möglichen Stellen zu finden sind, habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Ich habe ein bisschen probiert, wie sich das Wägelchen verhält, wenn ich ihm den Weg versperre und seine Ausweichversuche kontere. Ich glaube, es hat dann auch mit mir gesprochen. Nach zwei Minuten habe ich das Fahrzeug dann vorbeigelassen. Erst als es an mit vorüberfuhr, habe ich realisiert, dass es sich um ein Polizeifahrzeug handelt. 

Bestimmte Sachen versteht man erst recht spät, andere wahrscheinlich nie so ganz.

Auf einer anderen Radtour habe ich zum ersten Mal richtiges Graffiti in Peking entdeckt. Graffiti ist quasi nicht existent. Der öffentliche Raum ist nahezu vollständig kameraüberwacht, so dass es vermutlich unmöglich ist, Graffiti zu sprühen. An einem Knotenpunkt, wo eine Autobahn, eine U-Bahntrasse und mehrere Straßen einander unter- und überqueren, gibt es die gezeigte Fußgänger- und Radfahrer-Unterquerung, die nicht kameraüberwacht ist. Mitsamt den Graffitis.

Und zum Schluss noch ein stimmungsvolles Bild mit Hochhäusern und Brachland.

Das habe ich morgens auf dem Weg zur Arbeit gemacht, als ich noch hindurfte.

Ich hoffe, ihr habt immer gute Stimmung.

Macht’s gut, bis bald

Euer Michael   

Ein Kommentar zu “Mit dem Fahrrad in Beijing

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