Das Bild von uns Deutschen in China

Bericht 53 aus China vom 22.Oktober 2022. Geschrieben von Michael.
Welches Bild haben die Chinesen eigentlich von uns Deutschen? Die Frage ist natürlich an sich schon schwierig. Es gibt „die Chinesen“ nicht und auch nicht „die Deutschen“. Ich kann also nur berichten, was ich beobachte und wie die Chinesen, mit denen wir Kontakt haben, mit uns umgehen und was sie uns erzählen. Was sie wirklich denken wissen wir nicht. Zumeist gehen die Chinesen sehr behutsam mit uns um. Offene Konfrontation ist in China ohnehin unüblicher als bei uns.

Um darüber zu reflektieren, welches Bild die Chinesen von uns Deutschen haben, lohnt es sich zunächst mal anzuschauen, wie die Chinesen sich selber sehen: Für die Chinesen, so ist mein Eindruck, ist die Nationalität ein wichtiger Teil der Identität. China ist mehr als nur eine Verwaltungseinheit. Es ist ein Kulturraum und auch eine ethnische Definition. Die Distanz, die wir Europäer (manchmal) zu unserem Land und unserer Nationalität haben, kennen die Chinesen (erkennbar) nicht und ich habe auch manchmal den Eindruck, sie verstehen sie auch nicht. Das heißt nicht, dass sie nicht auch der Regierung kritisch gegenüberstehen können. Ich habe mit Kollegen mal über die vielen Chinesen gesprochen, die ausgewandert sind und im Ausland leben. Wenn sie chinesische Vorfahren haben, sind sie immer noch Chinesen. Es gibt zum Beispiel die Abkürzung ABC. Das steht für American born Chinese. Eine Person mit chinesischen Vorfahren, die in Amerika geboren ist, und durchaus auch einen amerikanischen Pass haben kann, ist immer noch ein Chinese. Eine Kollegin hat mir mal erklärt, dass ein Kind mit einem chinesischen und einem westlichen Elternteil auch ein Chinese sei, „denn das chinesische Gen sei ja dominant“. Ich hingegen könnte niemals Chinese werden. Ich denke, in Europa würde man das Rassismus nennen.

Die innere Einstellung und das nach außen sichtbare Verhalten sind aber zweierlei. – Das gilt in China im Übrigen bei vielen Themen. Die allermeisten Menschen, mit denen wir Kontakt haben, begegnen uns sehr freundlich und interessiert. Hin und wieder treffen wir auch auf Ausnahmen, die deutlich machen, dass sie keine Ausländer mögen oder sich vor Ausländern fürchten. Wir haben schon verschiedentlich beobachtet, dass der Wächter an irgendeinem Eingang alle durchwinkt, nur die Ausländer werden kontrolliert. Es kommt auch manchmal vor, dass Menschen ostentativ ihre Coronamaske, die sie bis gerade noch in der Hosentasche hatten, anziehen, wenn sie uns sehen, oder dass sie sogar die Straßenseite wechseln. Corona kommt ja von den Ausländern. Verstärkt wird das noch dadurch, dass in den Statistiken von den sogenannten „imported“ cases gesprochen wird – im Gegensatz zu den lokalen Infektionen. Das klingt nach Ausländern, beinhaltet aber natürlich auch alle Chinesen, die von einer Auslandsreise zurückkehren.

Aber offene Ablehnung oder gar Feindseligkeit sind wie gesagt die Ausnahme – zumindest in unserem Umfeld. Manchmal kommt es auch vor, dass man sehr interessiert angestarrt wird. Sehr lustig war neulich eine Szene, als wir in einer Schlange am Coronatest wartend anstanden. Ein älterer Fußgänger hat angehalten und uns aus ein paar Metern Entfernung ausgiebig gemustert. Als ich fand, dass er jetzt ausreichend geschaut habe, habe ich im zugewunken. Der Herr hat sich interessiert umgedreht und geprüft, wem ich denn so freundlich hinter ihm zu winke. Verwundert hat er sich wieder zurückgedreht, da dort hinter ihm keiner war. Aber seine Musterung hat er erst mal fortgesetzt.  Wir vermuten, dass die Menschen, die uns so interessant finden, eher keine Pekinger sind, da es in Peking doch recht viele Ausländer im Straßenbild gibt. Wir nehmen an, dass Touristen oder Reisende aus anderen Gegenden mit geringem Ausländeranteil uns eher interessant finden. Wenn man mit den Menschen in Kontakt tritt, werden wir in der Regel zunächst für Meiguoren (Amerikaner) gehalten.

Deutschland, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen, hat einen guten Ruf. Es ist der Ruf von Ingenieurskunst, Qualität und Zuverlässigkeit. An erster Stelle bezieht sich das auf deutsche Autos (die hier bekanntermaßen sehr beliebt sind). Aber auch in anderen Industriezweigen wie zum Beispiel bei der Haustechnik werden deutsche Marken geschätzt. Heimwerken gilt ebenso wie Bier auch als typisch Deutsch. Es gab wohl in der Vergangenheit verschiedene Lebensmittelskandale in China, bei denen die Qualität von Lebensmitteln nicht in Ordnung war. Daher werden importierte Lebensmittel gerne als solche gekennzeichnet: Safe food from Germany:

Auch einige chinesische Marken versuchen den guten Ruf deutscher Produkte zu nutzen. So gab es den inzwischen Pleite gegangenen chinesischen Hersteller, der sich die Markenrechte Borgward gesichert hatte und in die BBA-Liga einsteigen wollte. BBA steht für BENZ, BMW und Audi. Der deutsche Markenname sollte dabei helfen. Noch immer gibt es eine andere Automarke namens Weltmeister (bzw. auf chinesische WeiMa) – allerdings eher im unteren Preissegment. Auch der Markennamen Vollgas wird von einer chinesischen Firma genutzt. Eine Zahnklinik in Peking heißt Heidelberg Dentist und trägt das Heidelberger Wappen im Eingang zur Schau.

Um das deutsche Flair besonders authentisch werden zu lassen, wird die Reklame gerne auch mit deutschem Text angereichert. Das machen deutsche Marken (Liqui Molly), aber auch chinesische Marken. Die meisten Chinesen werden den Text nicht verstehen, aber es reicht um die Marke positiv aufzuladen. Man beachte Schloss Neuschwanstein auf dem Pekinger Bier!

Einen schönen Versuch eines Kleidungsgeschäft sich mit einer positiven Marken zu schmücken, haben wir in Xi’an gesehen: Daimule ist der chinesische Name für Daimler. Der Geschäftsinhaber hat auch den Daimler Font für seine Leuchtreklame sehr gut getroffen. Ob’s hilft Anzüge zu verkaufen?

Und zum Schluss noch was, was eigentlich in den Sommer gehört und über das ich schon immer berichten wollte: der Beijing Bikini. Dieses exquisite Kleidungsstück sieht man nur im Sommer, wenn es so richtig heiß ist. Und nur an Männern. Und – sehr praktisch – man kann es zu jeder Zeit an jedem Ort selber erschaffen. Den Beijing Bikini erschafft man, indem man sein Hemd oder sein T-Shirt hochzieht bis unter die Achseln. Der Bauch ist dann frei und kann schön kühlen! Den Begriff Beijing Bikini haben wir im Übrigen von einer Chinesin gelernt!

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Sommer.

Jetzt kommt der Winter! Hier in Peking kann das schnell gehen.

Liebe Grüße

Michael 

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