Wissenschaftlicher Zeitvertreib

Von Fieberthermometern, Gewichtskontrolle und Einwohnerdichte.

Bericht vom 2. August 2020, geschrieben von Michael. Tianjin, Ortszeit Sonntagmorgen 10:15, im Hilton Tianjin Eco-City.

Wir haben jetzt deutlich über die Hälfte der Quarantäne hinter uns. Das Ende ist absehbar!

Die Daimler-Leute hier in Quarantäne haben eine WeChat-Gruppe, in der man sich austauscht. Man erkennt an den Postings, dass es manchmal schwerfällt, die Zeit rumzubringen. Über die Gruppe werden aber auch relevante Infos weitergegeben. So müssen wir alle zweimal am Tag Fieber messen und die Messwerte nebst einigen anderen Fragen (Haben Sie Krankheitssymptome? Sind Ihre Angaben korrekt?) in eine WeChat-Applikation eintragen. Die Fieberthermometer lagen schon im Raum. Es gab in der WeChat-Gruppe bei einigen Hotelbewohnern Zweifel, ob ihr Fieberthermometer funktioniert. Mit Hilfe eines Wasserglases, eines Plastiklöffels und des Wasserkochers haben David und ich eine Eichkurve unseres Fieberthermometers aufgenommen, siehe Foto. Das macht man so in Quarantäne. 🙂

quod erat demonstrandum

Unser Thermometer funktioniert tadellos.

Wir hatten schon berichtet, dass das Essen mehr als reichlich ist. Da einige unserer Leser sich schon besorgt über unsere Gewichtsentwicklung gezeigt haben — Danke für die Anteilnahme! — hier die neueste Entwicklung: David und ich haben vor ein paar Tagen darum gebeten, nur noch ein Essen für unseren Raum zu erhalten. Das reicht völlig. Glücklicherweise sind unsere Vorlieben auch komplementär: Was David gerne mag, brauche ich nicht unbedingt und umgekehrt. Und wir vermeiden erfolgreich eine Gewichtszunahme (die weitsichtigen Organisatoren dieser Quarantäne haben uns auch eine Digitalwaage ins Zimmer gestellt). Zimmer 3516, das notorisch KEIN Problem mit dem Körpergewicht hat, hat auch reduziert, von drei auf zwei Mahlzeiten (für drei Personen). Zimmer 3516 vertreibt sich die Zeit sehr kreativ: Die bauen ein Puppenhaus aus den Essensverpackungen, sogar mit Spiegel und Badewanne. Wir kennen das bisher auch nur von Fotos. Aber ich glaube, Simone, Paul und Julia berichten darüber noch selber.

Wir haben über die ganze Stirnseite des Zimmers bodentiefe Fenster in unserem Zimmer. Von den Fenstern schaut man auf eine nagelneue Straße mit sehr gepflegtem Grünstreifen und Fußgängerweg. Normalerweise sind die Zimmer zur Straße ja nicht die Besten in einem Hotel. In unserer Situation ist die Lage des Zimmers gut so: Man hat was zu gucken und sieht ein bisschen Leben. Auffällig ist, dass es keine alten Autos gibt. Alle Autos sind neu und gepflegt. Auch „Spaßautos“ gibt es ganz wenige: keine Sportwagen, Cabrios, Freizeitfahrzeuge. Nur Limousinen, SUVs und VANs. Und mehrfach am Tag Kehrmaschinen. Die Straße ist super sauber. Wir vermuten, dass hier der Stadtbezirk, Tianjin Eco-City, ein Renommierbezirk ist.

Ich habe ein bisschen Sorge, dass wir leichte Probleme haben werden, wenn wir hier rauskommen: Wir machen zwar jeden Tag Sport, aber gewöhnt sich der Kreislauf vielleicht daran, dass man praktisch nicht steht oder geht? Und wenn man wieder unter freiem Himmel ist, ist das nicht alles viel zu hell, dann? – Wir werden sehen.

Nur das periodische Zischen der Klimaanlage werde ich nicht vermissen.

Das größte Damoklesschwert aber ist, wenn einer von uns doch noch einen positiven Coronatest abgeben würde. Am Tag, bevor wir hier raus dürfen, werden wir noch mal getestet werden.

Wir sind mal optimistisch, dass wir alle Corona-frei sind.

Es grüßt Euch alle und wünscht alles Gute, bis bald!

Euer Michael

P.S. Zum Schluss noch ein kleiner Informationsblock:

Wer den nicht will, gerne überspringen. 🙂 

Wir stellen uns China als extrem bevölkerungsreiches Land vor. Das ist ohne Zweifel auch richtig. Gleichzeitig ist das Land aber auch riesig. Auch die Ausdehnung der Städte ist riesig. Beispiel: Vom neuen Pekinger Flughafen zur Firma BFDA, bei der ich arbeiten werde, sind es 130 km. Beides liegt auf Pekinger Stadtgebiet. Das führt dazu, dass die Bevölkerungsdichte geringer ist, als wir erwartet haben, zumindest in den Neubaugebieten. Das sieht man den neuen Stadtteilen an: Es ist viel Platz zwischen den Stadtteilen, die Straßen sind breit mit zum Teil sehr ausgedehnten Grünstreifen.

Das Ganze lässt sich auch mit Zahlen belegen. Paul hat mal ein paar Zahlen zusammengestellt:

Stadt / Gebiet / LandEinwohnerdichte
in Einwohner pro Quadratkilometer
Weinstadt850
Rems-Murr-Kreis500
Stuttgart3000
Deutschland232
China148
Tianjin1200
Peking1280

Wer hätte gedacht, dass die Bevölkerungsdichte in Stuttgart zweieinhalb mal größer ist als in Peking?

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