Sichuan, die Pandas und Chengdu

Bericht 48 aus China vom 14. August 2022, geschrieben von Michael.

Chengdu und die Pandas

Sichuan und die gebirgige Gegend um Chengdu herum ist die Heimat des großen Pandabären. Er ist das chinesische Wappentier und vom Aussterben bedroht. Um ein Aussterben zu verhindern, wird der große Panda in Zuchtstationen und Zoos gezüchtet. In und um Chengdu ist das Zentrum der Pandabären-Zucht. Wir waren in einem Panda-Zoo etwa anderthalb Stunden außerhalb der Stadt, wo man die erwachsenen Pandas relativ entspannt beobachten konnte. Die kleinen Bären werden dort aber nicht gezeigt.

Die erwachsenen Pandas sind sehr lustig anzuschauen. Sie ernähren sich von Bambus, was leider sehr wenig Energie beinhaltet, so dass die Pandabären schon nach geringer körperlicher Anstrengung ein bisschen Pause brauchen. Daher findet alles in Zeitlupe statt. Die Bären sitzen in ihren Gehegen rum, ruhen sich aus und mampfen Bambus.

Wenn sie dann mal klettern, sind sie allerdings erstaunlich geschickt.

Dummerweise ist das Wetter von Chengdu eigentlich gar nicht das bevorzugte Wetter der Pandas, es ist ihnen zu warm, deswegen hatten die Pandas Eisblöcke in ihrem Gehege liegen, auf die sie sich legen konnten, um ihren Körper zu kühlen.

Wir durften auch miterleben, wie sich zwei Pandabären um einen der kühlenden Eisblöcke gezankt haben. Es gab eine richtige Rangelei um den Eisblock. Der Bärenfight war völlig lautlos und quasi in Zeitlupe. Ich glaube ja, dass gar nicht der stärkere Bär gewinnt, sondern derjenige verliert, dem die Puste als erstes ausgeht. Wie gesagt, das Wetter im Juli in Chengdu ist kein Panda-Wetter.

Der Zoo außerhalb der Stadt, den man uns empfohlen hatte, zeigt, wie gesagt, keine Babys. Wir wollten aber den ganzen Panda-Hype und haben uns daher entschieden ein paar Tage später noch eine der berühmten Zuchtstation zu besuchen, wo Pandas reproduziert werden und man auch Baby-Pandas sehen kann. (Was man im Zoo nicht sieht, aber im Internet lesen kann, ist: Die Pandas reproduzieren sich in Gefangenschaft praktisch gar nicht mehr. Die Weibchen werden, so haben wir das verstanden, künstlich befruchtet.)

Dort, wo die Baby-Pandas sind, ist der Hype maximal. Die kleinen machen eigentlich nicht viel, liegen nur herum, trotzdem sind sie DIE Sehenswürdigkeit. Man geht in einer Schlange vorbei und soll nicht länger als vielleicht zwei Fotos lang stehen bleiben.

Überall stehen Schilder herum, dass man ruhig sein soll, um die Pandas nicht zu stören. Das scheint aber nicht zu reichen, deswegen gibt es Personal mit Megafon, die die Menge sehr lautstark (!) laufend an die Regeln erinnern. Diese mit ihren Megaphonen, die die Besucher pausenlos zur Ordnung rufen und ermahnen und in gelenkte Bahnen leiten wollen, sind mit Abstand die lautesten. Viel lauter als das Publikum. Die kleinen Pandas sind alle hinter Glasscheiben und wir können nur hoffen, dass die Glasscheiben halbwegs schalldicht sind. Die Wärter selber, die den ganzen Tag in ihrem eigenen Megaphon Lärm arbeiten müssen, die tun mir wirklich leid.

Verglichen mit der Größe eines ausgewachsenen Pandas sind die Neugeborenen winzig. Sie wiegen gerade einmal 100 g. Die ganz kleinen Babys sind noch rosa und blind, das schwarz-weiße Fell bildet sich erst später.

Übrigens Chengdu, die Hauptstadt von Sezuan (Sichuan) und die Hauptstadt des Panda-Hypes ist eine Stadt mit mehr als 15 Mio. Einwohner! In Chengdu ist es im Juli abends um 19:30 Uhr noch 37° warm und es herrscht eine Luftfeuchtigkeit wie in der Waschküche. Einige der Bäume sind richtige Regenwaldbäume mit Luftwurzeln. Kein Wunder, dass die Pandas außer Atem sind.

Beim Flanieren über die Bürgersteige in Chengdu wird man immer wieder von leichtem Sprühnebel oder von Wassertropfen getroffen, die von oben auf einen herab fallen; das ist das Kondenswasser aus den Klimaanlagen, was aus Rohren aus dem Haus heraus geleitet wird und einfach auf den Bürgersteig tropft. Manchmal stehen dünne Plastikrohre auf dem zweiten oder dritten Stockwerk 2 m aus der Fassade des Hauses heraus und von dort tropft das Wasser auf den Bürgersteig.

Auch in Chengdu gibt es außergewöhnliche Hochhäuser:

Außergewöhnlich war auch diese Baustelle. Im Vordergrund die Baugrube, im Hintergrund das Zelt in dem der / die Bauarbeiter offenbar wohnen, mit Kochstelle und Schlafstelle.

Natur in Sichuan

Von Chengdu aus sind wir in die Berge nördlich von Chengdu gefahren. Dort gibt es schöne natürliche Sehenswürdigkeiten. Die Fahrt allerdings ist ein bisschen anstrengend: sieben Stunden Autofahrt und wir fahren die lange Zeit durch ein enges Tal von hohen Felswänden umgeben, es lohnt sich kaum zum Fenster rauszuschauen, weil man immer gegen die Felswand schaut.

Auf dem Weg in die Berge nördlich von Chengdu haben wir in Songpan übernachtet. Die chinesischen Touristenstädte sehen irgendwie alle gleich aus. Hübsche zweigeschossige Häuschen mit Holzfassaden, häufig mit vergitterten Fensterläden, die kunstvoll geschnitzt sind. Im Erdgeschoss ein Laden; im Laden gibt es überall die gleichen Dinge zu kaufen: Silberschmuck (oder falschen Silberschmuck) Tee, Kräuter, Klamotten mit folkloristischen Einschlag. Die Klamotten mit folkloristische Einschlag haben eine interessante Eigenschaft: Da werden in Sichuan Schals verkauft, die als Sichuan-Style angepriesen werden, in tibetischen Gebieten werden Schals verkauft, die als tibetischer Stil gelten und in Xinjiang zeigen die Schals die typischen Muster von Xinjiang. Allerdings sehen die Schals alle gleich aus.

Nördlich von Songpan fängt der tibetische Kulturraum in Sichuan an (wir hatten, glaube ich, schon mal erwähnt, dass der tibetische Kulturraum weit über das hinausgeht, was heute die Provinz Tibet ist): Die Häuser haben die charakteristischen trapezförmigen Einfassung um die Fenster, wir sehen Stupas, buddhistische Tempel und Gebetsfahnen, die im Wind flattern. Die tibetischen Häuser sehen zum Teil sehr groß und prachtvoll aus. Man sieht auch Siedlungen und Geschäfte, die eindeutig muslimisch sind.

Einer der Gründe, warum wir uns so lange ins Auto gesetzt haben, ist der Huang-Long-Naturpark (UNESCO-Welterbe): Dort läuft ein stark kalkhaltiges Wasser auf dreieinhalbtausend Meter Höhe den Berg hinab und formt sehr hübsche Wasserbassins. Das Wasser, das in den Bassins steht, sieht türkisfarben aus.

Dort, wo sich keine Bassins ausformen, bilden die Mineralien eine gelbe Schicht unter dem dahinströmenden Wasser, so dass es einen fast unwirklichen Gelbton ergibt. Sieht künstlich, chemisch, gelb aus. Ist aber Natur. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter, es hat immer wieder geregnet. Trotzdem waren wir alle froh endlich mal wieder richtig draußen zu sein. Und der Anblick der Wasserbassins ist wirklich sehenswert.

In der Gegend sollen theoretisch auch Pandas leben. Die sieht man natürlich nicht, die sind nämlich sehr scheu. Und auch weitgehend ausgestorben, um genau zu sein. Interessant ist, dass man auf 3500 m Höhe ungefähr 70-jährige Chinesen in Sandalen und im Anzug antrifft, die dort einen Ausflug machen und die Natur genießen. Interessant waren auch die Träger, die Getränke und andere Dinge zu den verschiedenen Verkaufsständen hochgetragen haben. Bei einem Träger haben wir abgeschätzt, dass er mindestens 60 Kilo auf dem Buckel hat. Wir konnten das an der Anzahl der Wasserflaschen ganz gut abschätzen. Die Träger haben Holzgestelle, um ihre Lasten hochzutragen und müssen auf den steilen Pfaden in der dünnen Luft immer mal wieder eine Verschnaufpause einlegen. Um das schwere Gepäck nicht vom Rücken nehmen zu müssen, haben sie ein Holzgestell, das sie dann unter ihr Gepäck stellen um ausruhen zu können. Wenn sie weiter gehen benutzen sie dieses Holzgestell quasi als Gehstock.

Interessant auch der Wald in 3500 m Höhe: sehr feuchter, dichter grüner Wald mit sehr vielen Nadelbäume. Vieles auch vermoost, da es so feucht ist. (Foto 11) Etwas gewöhnungsbedürftig, da man wie schon gesagt aus alpiner Erfahrung die Baumgrenze bei 1800 m erwartet. Bambuswäldchen haben wir auch gesehen, wichtig für den Panda, der ja hier mal gelebt haben soll.

Das zweite Naturhighlight im Norden von Sichuan ist Juizhaigou, eine Natur-Attraktion, die ebenfalls von der UNESCO als Welterbe geführt wird. Es ist ein langes, schönes, weitgehend naturbelassenes Tal, durch das sehr viel Wasser rauscht. Das Wasser läuft in zahlreiche Bächen aus den hohen Bergen ringsherum (über 5500m hoch) zu Tale. Die Bäche, Wasserfälle und Seen bilden eine malerische Landschaft. Zum Teil kommt man sich ein bisschen vor wie im Schwarzwald, nur alles halt viel größer: Es ist grün wie im Schwarzwald und der Fels sieht aus wie im Schwarzwald, die Bächlein und Wasserfälle (zumindest die kleinen) könnten im Schwarzwald sein. Man hat richtig Schwarzwald-Gefühl, allerdings auf 3500 m Höhe. Weiter unten wird es dann etwas dramatischer: große Wasserfälle und Seen in wunderschönen Blautönen – das gibt’s im Schwarzwald eher nicht.

Das ganze Tal ist mit Wanderwegen erschlossen. Wobei wandern hier in China bedeutet auf Holzstegen zu spazieren. Und man genießt die Highlights nicht allein. Die Touristenströme in Juizhaigou sind so organisiert, dass man mit dem Bus durch das Tal nach oben gebracht wird und dann entlang der Bäche und Wasserfälle talwärts wandert; im Prinzip gehen alle den gleichen Weg. Wie bei vielen größeren Attraktionen in China sind sehr viele Leute unterwegs.

Insbesondere an den Stellen, wo der Bus anhält, ist es manchmal so voll, dass es nicht mehr angenehm ist. Wenn man sich jedoch in bisschen von den Bushaltestellen entfernt, findet man schnell auch Stellen, an denen man wieder alleine ist.

Das Wasser lädt irgendwie immer dazu ein hinein zu springen und zu schwimmen oder zumindest die Füße herein zu halten. Das ist in China aber grundsätzlich verboten. Es gibt praktisch nirgendwo Wasser, in das man eintauchen darf. Gerade an heißen, staubigen Tagen ist das manchmal ein bisschen frustrierend. Ich glaube, wenn wir zurück in Deutschland sind, werden wir jeden Weiher, jeden Badetümpel nutzen, um in das Wasser einzutauchen.

Ich wünsche euch, dass ihr im Sommer immer einen Badesee in der Nähe habt.

Schwitzt nicht zu sehr!

Euer Michael

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